Dithmarschen
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Einwohner: 136.829
(Statistik vom 31.12.06) |
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Geographische Daten |
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Deiche |
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Höhen und Maße im Kreis
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Nord-Ostsee-Kanal |
Dithmarschen - Ausflugstips in
ein bemerkenswertes Urlaubs"land"...
Wie entstand Dithmarschen?
Wissen Sie, warum die
Nordfriesen Deiche bauen?
Damit sie nicht ins Meer laufen, wenn sie betrunken sind.
Und warum die Dithmarscher Deiche bauen?
Damit kein Nordfriese, der trotzdem ins Meer gelaufen ist, in Dithmarschen an
Land kommt.
Das wird natürlich in
Dithmarschen erzählt. Aber auch in Nordfriesland könnte man dieses erzählen,
natürlich in umgekehrter Benennung.
Schon zur Zeit Karls des Großen
hatte Dithmarschen dieselben Landesgrenzen wie heute: Die Eider im Norden, die
Elbe im Süden und die von ihnen abzweigenden Sumpfgebiete im Osten und
Südosten. In den letzten 2000 Jahren hat Dithmarschen auf der Seeseite immer
wieder Land hinzugewonnen. Es ist größer geworden. Da ist z.B. der Dithmarscher
Speicherkoog, der gegen Ende der 70er Jahre fertig gestellt war. In
Nordfriesland dagegen war es umgekehrt: Dort verlor man mehr Land, als man
durch Eindeichungen gewann. Doch auch hier in Dithmarschen war jede Generation
immer wieder neu gefordert: Immer wieder brachen die Deiche durch die
Sturmfluten, überfluteten und gefährdeten das Land. Aber die Dithmarscher
Marsch liegt, im Gegensatz zu den Moorschichten in Nordfriesland, auf festem
Untergrund. Und so ließ sich das Land nach jeder Sturmflut wieder neu
bedeichen, oft noch mit Landzugewinn. Die Sturmfluten nehmen ja nicht nur das
Land, sie lagern auch ab, dort jedenfalls, wo die Bedingungen dazu günstig
sind. Und das waren sie meistens zwischen Elbe und Eidermündung, in
Dithmarschen.
In der Besiedlung und Nutzung
des aus dem Meer kommenden Bodens gab es zwei große Epochen. Im ersten
Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebten unerschrockene Leute draußen im Vorland
ohne den Schutz von Deichen in halligartigen Siedlungen. Im Anfang sogar ohne
Wohnhügel, einfach auf der natürlichen Oberfläche. Die Bauern damals haben
nicht nur Vieh geweidet, sie haben auch Ackerbau betrieben. Das ist bei
archäologischen Ausgrabungen in Ostermoor/Brunsbüttel festgestellt worden. Eine
Rekonstruktion eines Bauernhauses aus dieser Zeit steht im Museum für
Dithmarscher Vorgeschichte in Heide.
In der zweiten Besiedlungsphase
haben die Bewohner im Vorland kleine Hügel aufgeworfen oder aus Soden und
Abfall des Hauses aufgesetzt. Die meisten dieser Wurten haben sich bis heute
erhalten. Wesselburen, Wöhrden und Marne sind die größten von ihnen. Markante
Beispiele sind auch die Kirchwurt von Hemme, die Dorfwurt von Ketelsbüttel,
Elpersbüttel und Busenwurth.
Später haben die Bewohner des
Vorlandes ihre Siedlungen mit Deichen geschützt und damit zur Marsch gemacht.
Mit Marsch wird hierzulande eingedeichtes Land bezeichnet. Wann die ersten
Deiche entstanden sind wissen wir leider nicht. Angenommen wird, dass die
ersten Deiche um 1000 nach Christi Geburt entstanden sind. Zunächst wurden die
einzelnen Wurten eingedeicht, später wurden Verbindungsdämme zwischen den
einzelnen Wurten aufgeschüttet und ein großflächiges Entwässerungssystem wurde
geschaffen, welches auch heute noch überall in Dithmarschen anzutreffen ist.
Diese Deiche und Grabensysteme sind nicht von einzelnen Dorfgemeinschaften
hergestellt worden, nein, dafür brauchte man großräumige Zusammenschlüsse. Nur
durch eine gemeinsame Leistung war es möglich aus den verstreuten,
ungeschützten und unverbundenen Vorlandsiedlungen eine kultivierte und ertragreiche
Marsch zu machen. Es entstanden "Deich- und Sielverbände". Diese
Verbände existieren bis heute, denn auch heute müssen die Deiche und Siele
ständig gepflegt und erneuert werden.
Die Geschlechter
Die eigentlichen Leistungen
waren damals von den Siedlern der Wurten zu erbringen. Sie waren in zweifacher
Weise miteinander verbunden: einmal durch den Ort an dem sie wohnten, durch
eine lokale Organisation also. Und zum anderen durch ihre Zugehörigkeit oder
den - wieder kündbaren - Beitritt zu einer Sippe. Ohne Sippe konnte keiner
überleben. Sie war eine Rechtsschutzgemeinschaft. Mehrere Sippen schlossen sich
zu Geschlechtern zusammen. Auch nach der Grundlegung des Deiches blieben die
Geschlechter zusammen, um so den neu erarbeiteten Besitz zum einen gegen die mächtige
See - zum anderen gegen die Gefahren der menschlichen Gesellschaft bei
nachbarlichen Zwisten oder bei Übergriffen von außen zu schützen. Sie sicherten
den einzelnen in seiner Existenz, leisteten in Rechtsstreitigkeiten Eideshilfe
oder, wenn Fehde angesagt war, Waffenhilfe, damals ein Rechtsinstrument. Die
Geschlechter sind oft als die Urzellen dargestellt worden, die Dithmarschen im
Innersten zusammengehalten haben sollen. Entsprechend wurde das Ende der
Selbstständigkeit Dithmarschens gern mit der Entmachtung der Geschlechter in
dem Jahrzehnt der Reformation in Verbindung gebracht. Peter Swin, einer der
regierenden Bauern (ich komme später noch einmal auf ihn zurück), der schon zu
seinen Lebzeiten legendäres Ansehen genoss, starb deswegen 1537 gewaltsam. Aber
schon im Jahrhundert vor der Reformation ist die Geschlechtergewalt immer mehr
eingegrenzt worden. Die führenden Zeitgenossen hatten die Zwiegesichtigkeit der
Geschlechter erkannt, ihre Gemeinschaft stärkende und zerstörende Wirkung durch
die Fehden zwischen den Geschlechtern. Doch genug jetzt, wir kommen später noch
einmal zu den Geschlechtern, beziehungsweise zum Lundener Geschlechterfriedhof
zurück.
Brechen wir nun auf zu einer
kleine "Rundfahrt" durch Dithmarschen.
Beginnen wir mit einer neueren
Sehenswürdigkeit Dithmarschens:
Der Dithmarscher Speicherkoog
und der Meldorfer Hafen
(Mit dem Elektrorollstuhl sehr
gut zu befahren, sonst kräftige Begleitperson erforderlich.)
Die Sturmflut vom 16./17. Februar 1962 richtete an den Deichen und
Uferschutzanlagen der schleswig-holsteinischen Westküste und der Elbe schwerste
Schäden an. Daraufhin wurde das gesamte Schutzsystem noch einmal, wie nach der
Hollandflut 1953, auf den Grad seiner Sicherheit überprüft. Deshalb stellte das
Land Schleswig-Holstein 1963 alle Maßnahmen zur Sicherung der Küsten im
Generalplan "Deichverstärkung, Deichverkürzung und Küstenschutz"
zusammen. Dazu gehörte auch der Dithmarscher Speicherkoog. Es herrschte Eile,
denn nach den schweren Sturmfluten vom 3./4. und 21. Januar 1976 zeigten sich
große Schäden an dem alten Seedeich des Christankoogs. Er bestand schon seit
1845, und war so sehr zerstört, dass der Koog mehrfach überschwemmt und die
Bewohner evakuiert werden mussten. Für die Vordeichung im Inneren der Meldorfer
Bucht sprach auch die Tatsache, dass die vorhandene Seedeichlinie stark
gegliedert und gewunden war. Sie sprang vor allem an den Standorten der
Entwässerungsgräben weit in das Binnenland zurück.
Der neue Seedeich verkürzt nun
die gefährdete Seedeichlinie von 30,6 auf 14,8 Kilometer Länge. Die bestehenden
Deiche, deren Deichkrone bis zu 2,50 Meter unter dem notwendigen Maß liegt
(Christianskoog 6,20 Meter über Normal-Null) und deren Böschungen zu steil
sind, mussten ersetzt werden; sie bilden nun streckenweise die vordem fehlende
zweite Deichlinie, um die bei einem etwaigen Deichbruch denkbare Überflutung
der Marschen zu begrenzen. Der neue Seedeich hat eine Kronenhöhe von 8,80 Meter
über dem Meeresspiegel, das sind rund 7,30 Meter über dem mittleren
Tidehochwasser.
Das neue Deichsiel, das fünf
Öffnungen enthält, wird durch ein Stemmtorpaar und ein Hubschütz doppelt
gesichert. Die Stemmtore schließen sich bei aufkommender Flut automatisch. Die
Hubschütze werden bei einem Wasserstand von 2,50 Meter über dem
Mitteltidehochwasser heruntergedreht.
Neben dem Siel ist ein kleines
Hafenbecken errichtet worden, das während der Normaltide jederzeit schiffbar
ist. Der Hafen nimmt die Bauschiffe für den Küstenschutz und rund 100 Boote von
Sportfischern, Motorbootseglern und Seglern auf. Auch die Schleuse für die
Schifffahrt besitzt zwei Stemmtore. Meldorf ist durch einen Kanal und eine
Straße mit dem Sielwerk verbunden, wobei der alte Meldorfer Hafen bei Bau des
neuen Hafens aufgegeben wurde.Den Hafen kann man über zwei Zufahrtsstraßen
erreichen: Aus Richtung Meldorf, über den Meldorfer Hafen und vom
Christianskoog aus.
Nun sind wir schon einmal in
der Nähe von Meldorf, fahren wir dorthin und besuchen dort die berühmteste
Kirche Dithmarschens.
Der "Meldorfer Dom"
...
(Mit dem Rollstuhl gut zu
befahren!)
... wurde irgendwann zwischen
809 und 826 n. Christi erbaut. Natürlich nicht dieser mächtige Bau, der ganz
Meldorf beherrscht und die Besucher schon von weitem begrüßt. Aber an der
gleichen Stelle ließ Karl der Große die erste Kirche Dithmarschens bauen. Mit
dem Bau dieser, ersten, Kirche bekam Meldorf eine zentrale Funktion, die bis
zum Aufkommen Heides nach einem Bruderkrieg beibehalten werden konnte. Vielleicht
hat sich Karl auch etwas dabei gedacht, als er genau diesen Ort für den Bau
eines christlichen Gotteshauses auswählte. War Meldorf doch damals der zentrale
Versammlungsplatz für den Gau Dithmarschen als er die Unterwerfung durchsetzte.
Zentraler Versammlungsplatz hieß Gerichtsplatz, Platz der Heerschau und der
Kultübungen. Platz - von einer Stadt war noch lange nicht die Rede. Sie
entwickelte sich erst im 12. und 13. Jahrhundert. Der zentrale Marktplatz, im
Verhältnis für eine mittelalterliche Stadt übergroß gestaltet, und die
Hauptstraßen sind also älter als die städtische Bebauung. Die alte Hauptstraße,
die heutige Zingelstraße, führt von Osten, über einen Höhenrücken unmittelbar
auf den Marktplatz zu. Und ungefähr dort, wo sich heute das Landwirtschaftliche
Museum befindet, war, bis zum Bau des neuen Meldorfer Hafens, der alte Hafen.
Damals ein einfacher Schiffslandeplatz, der eine bequeme Handelsverbindung mit
Bremen und Hamburg ermöglichte.
Doch zurück zum
"Dom": Freilich ist der "Meldorfer Dom" kein richtiger Dom,
war doch Meldorf nie Bischofssitz gewesen, aber von Meldorf aus, ging, wie
gerade schon erwähnt, die Christianisierung Dithmarschens aus. Die Meldorfer
Kirche ist die Mutterkirche aller Dithmarscher Kirchen. Richtig muss man diesen
stattlichen Bau mit St.-Johannes-Kirche benennen. Vielleicht haben wir Glück,
und eine Tür ist nicht verschlossen:
Im Inneren sind Gewölbefresken mit biblischen Motiven aus dem 13. Jahrhundert
erhalten. Das Bronzetaufbecken stammt aus der Zeit um das Jahr 1300, der
Passionsaltar ist 1520 erbaut worden. Die Kanzel 1601, das Chorgitter 1602/03.
Der Kirche gut angepasst erscheint auch die Marcussenorgel von 1977 mit ihren
42 Registern. Im Dom erinnert eine Grabplatte an den Arabienforscher Carsten
Niebuhr, der als einziger eine Expedition des dänischen Königs in dem Jemen in
den Jahren 1761-1767 überlebte. Ihm gehörte das Haus am Marktplatz, in dem
heute die Domgoldschmiede untergebracht ist.
Weitere Informationen über die
St.-Johannes-Kirche finden Sie bestimmt auf einem kleinen Tisch hinter der
letzten Sitzreihe.
Die Museen von Meldorf
In Meldorf gibt es gleich
mehrere Museen.
Das Landwirtschaftliche Museum
(rollstuhlgerecht), an der heutigen B5 gelegen, beherbergt alte
landwirtschaftliche Gerätschaften, mit denen teilweise bis vor wenigen Jahren
noch die umliegenden Felder bewirtschaftet worden sind. Die Veränderung des
Lebens und der Arbeit durch die seit fast 150jähriger Industrialisierung wird
anhand diverser Maschinen dargestellt. Eindrucksvoll sind z.B. eine dort
ausgestellte Lokomobile und eine komplette Sauerkrautfabrik. (Der Dithmarscher
Kohl findet sich in vielen Supermärkten Deutschlands wieder.) Auch eine
Bäckerei mit Laden und Backstube und eine Dorfschmiede sind dort zu
besichtigen. Angeschlossen an dieses Museum ist das Freilichtmuseum
"Dithmarscher Bauernhaus", ein Fachhallenhaus aus dem 17./18.
Jahrhundert, das bis 1907 bei Albersdorf gestanden hat. Ebenfalls ist dem
Museum ein typischer Bauerngarten angeschlossen, wo besonders die alten
Bauernrosen zu empfehlen sind. Die Anlage wird übrigens von einer
angeschlossenen Behindertenwerkstatt betreut und instand gehalten.
In der Bütjestr. 4 ist das
Dithmarscher Landesmuseum untergebracht. (Rollstuhlfahrer sollten sich kräftige
Begleitpersonen mitbringen, es geht teilweise leider über Treppen.) Die
Hauptthemen sind: Landesgeschichte, Kunst- und Kulturgeschichte, Volkskunde,
Schifffahrt und Fischerei. Auch ein kompletter Kinosaal aus dem 30er Jahren,
eine Gastwirtschaft, eine Arztpraxis mit Operationssaal, eine Eisengießerei und
div. Kaufmannsläden sind zu besichtigen. Berühmt ist der aus dem Jahre 1568
bestehende Swin’sche Pesel, eine typische
Dithmarscher Bauerstube. Eine Spielzeugsammlung erfreut besonders die Kinder.
Zu erwähnen sei auch die
Museumsweberei in der Papenstr. / Ecke Gartenstrasse.
Und wenn Sie noch Zeit für
einen Spaziergang haben, so besuchen Sie mit mir den Meldorfer Galgenberg in
der heutigen Österstraße. An dem Tagelöhner Johann Wiese aus Ketelsbüttel wurde
dort am 12. November 1796 das letzte Todesurteil Dithmarschens vollstreckt. Er
nahm am Krieg Dänemarks gegen Schweden teil. Später versuchte er als Leineweber
eine Existenz für sich und seine Frau aufzubauen. Harte Umstände bringen ihn in
große Not. Er wird zum Dieb und auch des Totschlags angeklagt. Folgen wir
seinem letzten Weg vom Meldorfer Südermarkt bis zum Galgenberg in der
Österstraße: Vom Südermarkt aus gehen wir über die Einkaufzonen Spreetstr. und
Zingelstr. in Richtung Bahnhof, von dort folgen wir der österstr. in Richtung
Nindorf über die Bahnschienen hinweg. Einige hundert Meter hinter den Schienen
sehen wir an der linken Straßenseite, etwas versteckt, zwischen zwei Häusern,
den kleinen Hügel des Galgenberges an
dessen Fuß Johann Wiese seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
Die Schlacht von Hemmingstedt
(Leider für Rollstuhlfahrer nur
bedingt geeignet.)
Fahren wir nun ein Stück weiter, aus Meldorf hinaus in Richtung Hemmingstedt
und biegen bei dem Hinweisschild "Dusenddüwelswarf" links von der B5
ab.
König Hans von Dänemark und
sein Bruder Friedrich, Herzog von Schleswig und Holstein wollten im Jahre 1500
die Dithmarscher unterwerfen. Sie hatten sich für diesen Zweck eine
Söldnergruppe, die "Schwarze Garde" angeheuert. Es waren insgesamt 12
000 Mann, die in Dithmarschen eingefallen waren. Die Dithmarscher Geschlechter
konnten bestenfalls 6000 bis 7000 Bauern dagegenstellen.
Sehr leicht war es für die "Schwarze Garde" bis Meldorf zu kommen. Am
17. Februar befahl der König den Abmarsch nach Richtung Norden. Er meinte, die
Dithmarscher seien schon besiegt und wollte durch die Bauernrepublik einen
Siegeszug veranstalten. Doch er hatte seine Rechnung ohne Wulf Isebrand von
Oldenwöhrden gemacht. Unter seiner Führung entwickelten die Bauern eine
Strategie:
Sie warfen an dem damaligen Verbindungsweg zwischen Meldorf und Heide eine
Schanze auf. Gleichzeitig gab Isebrand den Befehl sämtliche Siele an den
Deichen zu öffnen. Tauwetter hatte eingesetzt. Da war die "Schwarze
Garde"! Sie staute sich vor der Schanze, von der aus die Dithmarscher den
ersten Angriff gegen das übermächtige Heer wagten. Anfangs lagen hinter der
Schanze nur wenige Hundert Mann. Einige Feuergeschütze hatten sie in Stellung
gebracht. Dann erfolgte der erste Ausfall der Dithmarscher. Er endete in den
Spitzen der Landsknechte. Doch ein zweites Mal hatte Isebrand Erfolg: Die
angreifende Artillerie war ausgeschaltet. An Nachschub der Garde war nicht zu
denken, stand doch der andere Teil der Artillerie noch in Meldorf, aber der Weg
dorthin war mit den kämpfenden, verwundeten und toten Männern voll. Das Wasser
stieg immer mehr an, als die Landknechte die Schanze auf der Ostseite umgehen
wollten. Die Verteidiger erkannten die Gefahr. Um sich besser bewegen zu können
legten sie alles Überflüssige ab. Halbnackt stürzten sie sich dem Königsheer
entgegen. Sie wurden abgeschlagen. Isebrand sammelte seine zurückkommenden
Männer und setze mit neu hinzukommenden Bauern aus Heide zu einem zweiten
Angriff an. Die Schlacht schien bereits verloren, als Isebrand noch mehr
Verstärkung bekam. Im letzten Augenblick gewannen die Bauern die überhand. Die
Landsknechte, deren Offiziere schon gefallen waren, gaben auf. Wer noch konnte,
bahnte sich den Weg zurück nach Meldorf. Das übrige Heer war bewegungsunfähig
auf der aufgeweichten und von beidseitig tiefen Gräben begrenzenden Straße
zusammengepfercht. Die Flut, die durch die Siele hereinbrach verwandelte in
wenigen Minuten die Wiesen und Äcker in eine unbegehbare Wasserwüste. Wer sich
hineintraute ertrank. Doch die Dithmarscher kannten das Gelände! Sie hatten
ihre Springstöcke, sie kannten die tiefen Stellen, die Gräben und Wasserlöcher.
Sie waren, im Gegensatz zur Truppe des Königs Hans, abgehärtet und trugen
nichts außer ihren Hosen und ihre Waffen. Die "Schwarze Garde",
ausgebildet im Kriegshandwerk und 12 000 Mann stark, wurde von 7 000 Bauern
besiegt!
Tausende der Landsknechte
verloren ihr Leben. Ihre gesamte Ausrüstung fiel den Bauern in die Hände. Auf
dem Schlachtfeld wurden später die gefallenen Fusßknechte
des feindlichen Heers in rasch aufgeworfenen Massengräbern bestattet, die
adligen Toten unter ihnen blieben aber unter dem freien Himmel liegen,
"ein Raub für Raben und Hunde", wie der Historiker Lammers schrieb.
500 Jahre nach diesen
Begebenheiten errichtete man zum 17.2.1900 eine Monumentalplastik mit der
Aufschrift "Wahr die Gar, de Bur de kümt!" (Sieh dich vor Garde, der
Bauer kommt!).
Seit der 600-Jahrfeier, im
Februar 2000, befindet sich vor der Monumentalplastik ein, auch für
Rollstuhlfahrer befahrbarer, Informationspavillion, wo die Schlacht plastisch
und detailgetreu nachgebildet ist.
Wir fahren wieder zurück nach
Meldorf, und dann über Nindorf und Bargenstedt weiter nach.
Albersdorf
(Mit dem Rollstuhl sind die
einzelnen Punkte teilweise gut zu erreichen!)
Albersdorf und seine Umgebung
gehören zu vorgeschichtlich interessantesten Gebieten Schleswig-Holsteins.
Diese kleine Stadt mit ihrer schönen Umgebung wird auch "klassische
Quadratmeile der Archäologie genannt. Es sind dort etliche Stein- und
Bronzezeitliche Grabhügel, im Volksmund auch "Hünengräber" genannt,
in mehr oder weniger gutem Zustand erhalten.
Das erste dieser Gräber
begegnet uns in der Ortschaft Dellbrück an der rechten Straßenseite. (Ein
Schild weist daraufhin.)
Das gut erhaltene Großsteingrab wurde kurz vor 1850 freigelegt. Die außen
umherliegenden Steine gehören zu dem Rundhügel, den die Grabkammer einst
bedeckt hat. Die Kammer selbst ist ein großer Dolmen ohne Gang. In dieser
Kammer müssen über Jahrhunderte hinweg Menschen bestattet worden sein, dieses
wird aus dem halbhohen Eintrittsstein an der hinteren Stirnseite deutlich. Wir
gehen durch die Absperrung zurück, und folgen dem Weg nach Süden, er biegt nach
links. Kurz hinter einer Brücke, dort ist auch ein kleiner Autoparkplatz,
finden wir die Erläuterungstafel zur Marienburg. Nach einem kurzen Fußweg
erreichen wir das Wallburggelände. Im Jahre 1402 wurde diese Turmhügelburg von
den Holsteinern erbaut, mit dem Ziel von hier aus Dithmarschen zu erobern.
Zunächst provisorisch mit Holzgebäuden, sollte eigentlich hier eine stolze Burg
entstehen. Doch soweit kam es nicht mehr. Die Burg diente als Stützpunkt bei
Raubzügen in das Dithmarscher Land, bei denen die Orte Tensbüttel und Röst so
zerstört wurden, dass sie später wieder an anderer Stelle aufgebaut wurden.
Man müsste im Burggelände eigentlich noch den zentralen Turmhügel erkennen
können, der das Holzblockhaus getragen hat. Er ist von einem inneren Graben und
einem vollständigen Wall mit einem weiteren Graben ringförmig umgeben. Unklar
allerdings ist bis heute geblieben, wo der Eingang der Burg zu finden ist.
Kehren wir wieder zurück zur
Hauptstraße und folgen ihr in Richtung Albersdorf. Auf den Feldern rechts
werden sie immer wieder vollständig erhaltene und noch unerforschte Grabhügel
entdecken. Forschungsgebiet für die zukünftigen Archäologen. Kurz hinter der
Brücke des Baches Gieselau, noch vor Albersdorf, biegen wir nach rechts in den
Horstenmoorweg ein und parken dort.
Genau hier beginnt der
archäologische Park von Albersdorf.
Wir folgen dem Horstenmoorweg
und biegen den zweiten Weg links ab. Nach einigen Metern stehen wir vor den
beiden Langbetten im Bredenhoop. Sie enthalten je eine lang gestreckte
Steingrabkammer. Das vordere Langbett ist im Jahre 1955 restauriert worden,
indem die umgestürzten Einfassungssteine in die Standlöcher wieder eingesetzt
wurden. Zwei Steine mussten damals ergänzt werden. Bei dieser Arbeit fand man
in der Erde des Langbettes eine gut erhaltene Sichel aus der ausgehenden
Steinzeit oder der Bronzezeit aus Feuerstein. Das zweite Langbett ist leider
nicht mehr so gut erhalten.
Zwischen den beiden Langbetten
folgen wir dem Pfad nach Norden. Er führt auf einen kraterförmigen Rundhügel
zu, auch einstmals ein Grabhügel. Links können wir ein drittes Langbett erkennen.
Leider sind auch hier beide Gräber "geplündert". Bis in das vorige
Jahrhundert hinein waren die Steingräber rund um Albersdorf willkommene
Steinbrüche.
Gehen wir vor dem Grabhügel den
Weg nach links, und dann die erste Abzweigung wieder rechts, so kommen wir an
eine zweiten Grabhügel. Dieser Grabhügel wurde 1876 "untersucht".
Jedoch gibt es leider nur noch einen phantasiereichen Bericht: Es sollen dort
Baumsärge mit Beigaben, darunter eine Lanzenspitze, ein Bronzedolch und ein
Flintdolch gefunden worden sein.
Kehren wir zurück zum
Parkplatz, und fahren mit dem Auto nach Albersdorf hinein. Dort folgen wir der
Beschilderung "Brutkamp", so gelangen wir zu dem wohl, hier in dieser
Gegend, berühmtesten Großsteingrab. Wir können an der Grundschule auf dem Parkplatz
unser Fahrzeug abstellen, und gehen über eine kleine Parkanlage zum Brutkamp.
Dort befindet sich eine ausführliche Erläterungstafel. Das Großsteingrab
besitzt den größten Deckstein Schleswig-Holsteins, der ca. 15 Tonnen wiegt. Man
erkennt auch noch gut den Rest eines Rundhügels, aus dem einige größere Steine
herausragen. Sie müssten die Steineinfassung des Hügels gebildet haben. Die
Größe des Decksteines wirft die Frage auf, wie man damals solche Steine bewegt
hat. Beim Bau dieser Gräber griff man auf Findlinge zurück, die damals häufig
in der Landschaft herumlagen. Der Transport erfolgte auf nachzulegenden,
rollenden Baumstämmen und durch Hebelwirkung längerer Stämme bzw. Äste. Auch
Seile kamen wohl zum Einsatz. Um den Deckstein auf die senkrechten Tragsteine
zu bekommen, wird man nach der Aufstellung der Tragsteine den Grabhügel auf
etwas mehr als die heutige Höhe aufgeschüttet haben. Nun konnte der Tragstein
problemlos auf den Hügel transportiert und dort abgelegt werden. Anschließend
wurde die aufgeschüttete Erde wieder weggeräumt.
Spazieren wir nun über die
Straße "Johann-Buhmanswurth" zum Albersdorfer Aussichtsturm. Auch er
steht auf einem bronzezeitlichen Grabhügel. Wer schwindelfrei ist, hat von dort
oben einen wunderbaren Ausblick über Albersdorf.
Wenden wir uns nun dem
Schalenstein zu. Wir fahren aus Albersdorf in Richtung Bunsoh hinaus und parken
auf dem Parkplatz L148, Ecke Ziegeleistraße.
Der Schalenstein von Bunsoh ist
eines der bekanntesten derartigen Vorzeitdenkmäler Deutschlands. Er ist einer
der drei Decksteine eines Großsteingrabes, das von einem großen Grabhügel
überwölbt war und 1874 nicht sachgemäß ausgegraben wurde. Man grub damals nur
das Zentrum des Grabhügels aus und fuhr die Erde ab. Man stieß auf eine Lage
faust- bis kopfgroßer Steine, auf denen eine schmierige, schwarze Masse
verteilt war. Es handelte sich um einen verrotteten Baumsarg aus der späteren
Bronzezeit. 1908 erst fand man unter diesen Steinen ein Altsteinzeitliches
Ganggrab. Die Steinkammer, innen 1.30 m hoch, trug ursprünglich den
Schalenstein, wohl noch ohne seine Schalen. Erst zwischen Bauernsteinzeit und
mittlerer Bronzezeit, als der aus Sandstein bestehende Deckstein nur ein klein
wenig aus der Erde schaute, galt er als "heiliger Stein" und wurde
nach und nach mit Schalen, Rinnen und kleinen Zeichen versehen. Auch die Hände,
ein Fuß, das Speichenrad und die Schale mit dem Ring entstammt dieser Zeit.
Besser als vor Ort kann man diese Zeichen im Heider Museum für Ditharscher
Vorgeschichte betrachten, unser nächstes Ziel.
Heide
Heide, heute Kreisstadt und
größte Stadt Dithmarschens, wurde im Jahre 1434 "gegründet": Zunächst
nur eine lose Ansiedlung von Häusern rund um den Versammlungsplatz "upp de Heide", dem heutigen 4,7 Hektar großen
Marktplatz, wuchs Heide im Laufe der Jahre zu einer Stadt heran.
Besuchen wir aber zunächst das
Museum für Dithmarscher Vorgeschichte in der Brahmsstraße.
(Behindertenparkplatz direkt vor den Haus, Rollstuhlfahrer können, nach
Voranmeldung, den Hintereingang benutzen, das OG ist ohne fremde Hilfe leider
nicht zu besichtigen.)
Das Museum ist, neben der Stadtgeschichtlichen Abteilung im 1. Stockwerk,
besonders für die Kinder interessant. Sie dürfen mit rekonstruierten
Steinwerkzeugen experimentieren, sich in einem Computerquiz über die
Dithmarscher Geschichte testen lassen oder auch dem Nachbau einer
bronzezeitlichen Lure (Blasinstrument) Töne entlocken.
Regelmäßig finden in dem Museum
auch Wechselausstellungen zum Thema Dithmarschen statt. Gegenüber dem Museum
sind ein Hünengrab sowie der alte Heider Wasserturm zu sehen.
Zu den weiteren
Sehenswürdigkeiten der Stadt Heide gehört natürlich auch die St.-Jürgen-Kirche,
am Marktplatz gelegen, deren älteste Spuren bis in die Zeit der Stadtgründung
zurückgehen. (Mit dem Rollstuhl gut zu befahren, Behindertenparkplatz befindet
sich auf dem Marktplatz direkt neben der Kirche.)
Vielleicht finden Sie in der Grünanlage der Kirche einen alten Grabstein mit
kyrillischen Schriftzeichen: Im Jahre 1713 kam ein russisches Heer nach Heide.
Eine der Offiziere, ein Fürst, verstarb hier. Zu seiner Beerdigung reiste Zar
Peter der Große an, er hatte den Gedenkstein in Auftrag gegeben und bezahlt.
Vor der Kirche, an der
Südwestecke des Marktplatzes, steht der St.-Georg-Brunnen, von dem Bildhauer
Siegfried Assmann gestaltet. Auf bronzenen Relieftafeln sind Stationen der
Geschichte Dithmarschens dort illustriert: Das Hamburger und Heider Stadtwappen
gemeinsam auf einer Tafel weisen auf die Stadtgründung hin. Dann die
Versammlungsrunde der 48Regenten (Geschlechterführer), die Gliederung der
"Republica Dithmarsia",
die Schlacht bei Hemmingstedt, die Hinrichtung des Reformators Heinrich von
Zütphen im Jahre 1524, der Verlust der Bauernrepublik im Jahre 1559, der Brauch
des Hahnebierfestes der drei Heider Eggen und der plattdeutsche Lyriker Klaus
Groth sind ebenfalls dort verewigt.
In Heide-Lüttenheid steht neben
dem Stammhaus des Komponisten Johannes Brahms das Klaus-Groth-Museum.
Zur Hinrichtung des Heinrich
von Zütphen schrieb im Jahre 1525 Martin Luther: "Sie fielen mit Gewalt in
die Pfarre, zerschlugen alles, was da war, als der vollen, unsinnigen Bauern
Gewohnheit ist, Kannen, Kessel, Kleider, Becher. Was sie aber fanden von Silber
und Gold, nahmen sie mit. Fielen auch zu dem Pfarrer ein mit Gewalt, hieben und
stachen und schrieen: Schlag tot, schlag tot! Ein Teil stieß ihn auf die
Straße, nackend in den Dreck und nahm ihn gefangen, er solle mit ihnen gehen.
Der andere Teil schrie, man sollte ihn gehen lassen, denn sie hätten keinen
Befehl ihn zu fangen. Danach als sie ihren Mutwillen mit dem Pfarrer geübt
hatten, fielen sie zu dem guten Bruder Heinrich ein und nahmen ihn nackend aus
dem Bette, schlugen, stachen wie die unsinnigen vollen Bauern und banden seine
Hände sehr hart auf den Rücken, zogen und stießen ihn also lange, dass auch
Peter Nannen mit Barmherzigkeit bewegt wurde, der sonst ein giftiger Feind des
Wortes Gottes war."
Es folgte auf dem Heider Marktplatz eine Gerichtsverhandlung und die
Hinrichtung. Im Heider Museum ist ein 1745 gedrucktes Bild von der Hinrichtung
zu sehen.
Lunden,
einer der nördlichsten
Kirchlandspielsgemeinden Dithmarschens war jahrhundertelang der nördlichste
Punkt des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation". 1140
erscheint zum ersten Male der Name Lunden auf einer Urkunde. Dort verpflichten
sich die Lundener, keine hamburgischen Kaufleute mehr zu überfallen. Aus dieser
Zeit entstammen auch die ältesten Spuren der St.-Laurentius-Kirche, (mit
fremder Hilfe im Rollstuhl gut zu erreichen!) in deren Mauern rheinisches
Tuffgestein verbaut wurde.
Der Kirchenheilige war ein Armenpfleger der frühchristlichen, römischen
Gemeinde, der der Legende nach 258 n.Chr. auf einem
Rost den Martyrertod starb. Eine Darstellung in der, aus dem Jahre 1648
stammenden Wetterfahne über dem Chor, sowie die Wetterfahne auf der Turmspitze
aus dem Jahre 1784 erinnert daran.
Die ältesten Teile der Inneneinrichtung sind ein Kronleuchter von 1774 und zwei
Bilde eines unbekannten Malers von 1568, die Martin Luther und Phillip
Melanchthon darstellen sollen.
Rund um die Kirche ist, wie es
im Mittelalter allgemein üblich war, ein Friedhof angeordnet. Dieser Friedhof
um die St.-Laurentius-Kirche gilt als ein einmaliges kulturgeschichtliches
Zeugnis. Es durften hier nur die Angehörigen der Lundener Geschlechter beerdigt
werden. Geschlechter waren, wie schon erwähnt, einflussreiche Dithmarscher
Familien-Verbände. Die Anlage zeigt einen bedeutenden Bestand an Grabsteinen,
zahlreiche gemauerte Grabkeller, und Grabdeckplatten und Stelen aus dem 16./17.
Jahrhundert. In den Kellern wurden die Särge auf Stellagen oder zwei parallel
gemauerten Ziegelreihen gestellt. Die Grabplatten und Stelen sind bis zu 2
Tonnen schwer. Sie wurden meist von Bremer Steinmetzen bearbeitet, und kamen
per Schiff nach Lunden.
Sehenswert ist auf diesem Friedhof besonders der Sühnestein, der an den im
Jahre 1537 während einer Geschlechterfehde ermordeten Peter Swin erinnert. Als
Peter Swin durch die Dithmarscher Kirchspiele reiste, um für das Gesetz zur
Abschaffung der Selbstjustiz mit dem Recht zur Blutrache zu werben, haben ihn
Angehörige des rivalisierenden Geschlechts der Russebolingmannen ermordet.
Sehenswert ist in Lunden
sicherlich auch der Gänsemarkt. Er gilt als der größte Dorfplatz in
Schleswig-Holstein, sowie das, in der alten Volksschule eingerichtete,
Heimatmuseum.
Über die, von Holländern
angelegte, Grachtenstadt Friedrichstadt gelangen wir nach...
...Husum
Husum liegt eigentlich ja schon
nicht mehr in Dithmarschen, ist aber dennoch einen Ausflug wert.
Die Stadt Theodor Storms ist nicht nur wegen der Krabbenbrötchen berühmt
geworden, sondern auch wegen des Husumer Schlosses, dass die Gottdorfer Herzöge
hier zwischen 1577 und 1582 errichten ließen. Im Frühjahr zur Krokusblüte ist
der Schloßpark ein, auch für die Husumer selbst, beliebtes Ziel. Im
Theodor-Storm-Haus, (mit dem Rollstuhl und fremder Hilfe gut zu erreichen!) in
unmittelbarer Nähe des alten Hafens, wohnte der norddeutsche Dichte zwischen
1866 und 1880. Zeitweilig lebte er auch in den Häusern Neustadt 56 und
Süderstr. 12. Geboren wurde er im Hause Markt 9. Zu den weiteren
Sehenswürdigkeiten zählen neben einigen gut erhaltenen Bürgerhäusern aus
verschiedenen Jahrhunderten - Große Straße, Markt, Schiffbrücke, Wasserreihe,
das Rathaus und die Marienkirche.
Ein dunkles Kapitel Deutschlands
wird im Ortsteil Schwesing angesprochen. Dort wurde
am 27. November 1987 das Mahnmal für das NS-Konzentrationslager Husum-Schwesing
eingeweiht. (Mit dem Rollstuhl gut zu befahren!) Viele Menschen wurden, genau
wie in anderen KZ’s des Dritten Reiches, dort
gequält und durch Arbeit und mangelnde Hygiene umgebracht. Ursprünglich 1938
als "Reichsarbeitsdienstlager" für 250 Mann geplant, wurde es seit
dem 25.9.1944 mit 1500 Häftlingen als Außenlager des Konzentrationslagers
Neuengamme benutzt. Bereits 3 Wochen später, am 17.10. kamen weitere 1000
Häftlinge hinzu.
Aufgabe des Lagers war es den so genannten Friesenwall, beginnend westlich der
Stadt Husum und nördlich weiterführend über Schobül
bis nach Bredstedt, zu errichten. Er sollte eine evtl. Landung Alliierter
Truppen an der Westküste Nordfrieslands vereiteln bzw. erschweren. Bei der
Errichtung des Lagers versprach der Lagerkommandant Hans Griem
die Befestigungsanlagen binnen sechs Wochen hergestellt zu haben. Doch selbst
nach drei Monaten, als das Lager schon wieder aufgelöst wurde, war man mit der
Arbeit noch nicht einmal zu 50% fertig. Am 29.12.1944 verließ der letzte
Wachsoldat das Lager. In diesen drei Monaten fanden in diesem Lager 2500
Menschen den Tod.
Über die B5, bzw. die B202
fahren wir zurück Richtung Heide. Bei der Ausfahrt Tönning fahren wir ab. Durch
Tönning hindurch und weiter über Tönning-Olversum kommen wir zum...
...Eidersperrwerk
(Mit dem Rollstuhl teilweise
gut zu befahren.)
Durch die Eiderabdämmung, für 170 Millionen DM, von 1967 bis 1973 vom Land
Schleswig Holstein erbaut, wird das Land von Überschwemmungen durch die
Sturmfluten geschützt. Insgesamt ist die Eiderabdämmung 4,8 Kilometer lang. Das
jedoch imposanteste Bauwerk der Abdämmung ist das Sperrwerk:
Der Fluss Eider muss nun durch fünf mächtige Fluttore hindurch, die im Falle
einer Sturmflut geschlossen werden können. Durch einen 336 m langen Autotunnel
ist das Sperrwerk zu durchfahren. Vor dem Bau der Eiderabdämmung presste sich
das Nordseewasser regelmäßig bei den Sturmfluten in die Flussniederungen der
Eider, und staute diese bis hinauf hinter Rendsburg. Immer wieder wurde z.B.
die Fischerstadt Tönning überflutet.
Über Wesselburen, der Stadt des
Schriftstellers Friedrich Hebbel, geht es weiter nach Büsum.
Büsum ...
(Mit dem Rollstuhl teilweise
gut zu befahren!)
... gehört zu den Pionierorten des Fremdenverkehrs. Ab 1818 blüht dort die
Touristik. 1837 wurde Büsum zum Seebad mit Badeanstalt ernannt, der ab 1883,
als erstes Nordseebad, mit der Eisenbahn zu erreichen war.
Einige der heutigen
Attraktionen sind: Ein Meerwasser-Hallen-Wellenbad, ein 18-Loch-Golfplatz sowie
der berühmte rot-weiß-gestreifte 25 m hohe
Leuchtturm, der seit 1913 den Schiffen den Weg in den Hafen weist. Im
Fischereihafen ist eine große Krabbenfangflotte stationiert. Und auch Ausflüge
nach Helgoland kann man von hier aus täglich antreten. Bis 1609 übrigens war
Büsum eine Insel. Erst durch die Andeichung wurde sie an das Festland
angeschlossen. Um 1450 herum ist auf einer Warft die Kirche erbaut worden. Sie
wurde St. Clemens, dem Schutzheiligen der Schiffer und Küstenbewohner geweiht.
Von Büsum aus fahren wir über die B203 in Richtung Heide und gelangen nach ca.
10 Min. Fahrt zu einem der ältesten Wurtdörfer Dithmarschens:
Wöhrden
(Mit dem Rollstuhl teilweise
gut zu befahren!)
Vielleicht ist Wöhrden sogar eines der ältesten Dörfer Dithmarschens. Der
griechische Geograph Ptolemäus erwähnt schon im Jahre 150 n. Chr., dass sich
vor der Elbmündung drei Sachseninseln befinden. Hierbei könnte es sich um die
Wurten Fahrstedt (bei Marne), Wöhrden und das alte Büsum, welches um 1362 oder
um 1380 untergegangen ist, handeln.
Erstmalig wird Wöhrden in einem Vertrag, welcher am 7.5.1281 in Meldorf
zwischen dem Wöhrdener Kirchspiels und dem Hamburger Rat geschlossen wurde,
erwähnt.
Um die alte, die erste Kirche, Wöhrdens rankt sich die folgende Geschichte:
Graf Gerhard der Große dringt gewaltsam im September 1319 durch das südliche
Dithmarschen bis nach Wöhrden vor. Hier nach Wöhrden haben sich viele
Dithmarscher in die Kirche geflüchtet. Als Graf Gerhard am 7.9.1319 in Wöhrden
einmarschiert legt er sogleich Feuer an die Kirche. Seine Männer beginnen mit
der Plünderung des Dorfes. Die in der Kirche Eingeschlossenen waren der
Meinung, lieber in Kampf zu sterben als in der Kirche zu verbrennen. So brechen
Sie verzweifelt aus der Kirche aus und schlagen Graf Gerhard und seine Leute in
die Flucht. Die Kirche geht in Flammen auf.
Neben der Neuerbauten Wöhrdener
Kirche ist noch eines der schönsten Häuser erwähnenswert: Das Materialienhaus.
Es steht in Sichtweiter der Kirche in der Hafenstraße. In dem Türbalken ist zu
lesen:
"1519 - 1788 - 1929 WÖHRDENER WATERBÖRS - ICK WILL JU EEN NIE HERTE UNDE
EENE NIEN GEIST IN JU GEVEN" (Ich will Euch ein neues Herz und einen neuen
Geist in Euch geben; Hesekiel 36/26). Die letzte Renovierung des
Materialienhauses fand 1972 statt. Heute wird das Haus privat bewohnt.
In Friedrichskoog befindet sich
die...
...Seehundforschungs- und
Aufzuchtstation
(Mit dem Rollstuhl teilweise
gut zu befahren!)
Sie befindet sich nördlich des Friedrichskooger Fischereihafens. Hier können
die Seehunde in einer naturnah gestalteten Freianlage über und unter Wasser
beobachtet werden. Die jungen Seehunde, Heuler genannt, werden hier aufgezogen,
die durch Stürme oder menschliche Störungen den Kontakt zum Muttertier verloren
haben. Die Seehundfütterungen sind für die Kinder sehr interessant.
Der angrenzende Fischereihafen
beherbergt die größte Kutterflotte der Schleswig-Holsteinischen Westküste. Hier
kann man, direkt vom Kutter, frische Fische und Krabben erstehen. Und jedes
Jahr im Juli findet hier die "Fischkutter-Regatta" um das "Blaue
Band" von Friedrichskoog statt. Auch die Schutzstation Wattenmeer direkt
am Hafen ist einen kurzen Besuch wert.
Unsere letzte Station geht
wieder in die Geschichte des Landes zurück.
Um die Böckelnburg...
(Mit dem Rollstuhl teilweise
gut zu befahren!)
... herum entstand ab dem 9. Jahrhundert die, heute stattliche, Ortschaft Burg.
Der sehr gut erhaltene Ringwall umschließt den heutigen Friedhof und ist
begehbar. Nach einer alten Überlieferung soll im Jahre 1144 Graf Rudolf von
Stade in dieser Burg von Dithmarscher Bauern erschlagen worden sein. Sie sollen
sich, dem Prinzip des Trojanischen Pferdes gleich, in Kornsäcke genäht, heimlich
Zugang in die Böckelnburg verschafft haben. "Nun rühret die Hand,
zerschneidet das Band" soll ihr Schlachtruf gewesen sein.
Als Sühnekapelle für Graf Rudolf soll die Petri-Kirche zwischen 1144 und 1200
errichtet worden sein. Sehenswert ist ein Holzkruzifix aus dem 14. Jahrhundert,
ein silberner Abendmahlskelch von 1431, die Kanzel von 1661 und ein Gemälde von
1701: "Das Jüngste Gericht".
Für Kinder, wie auch für
Erwachsene, ist das Waldmuseum ebenfalls ein lohnenswertes Ziel.
Am Nord-Osteekanal kann man die
Ozeanriesen beobachten, die von Brunsbüttel oder Kiel aus kommend, ihren
Zielhafen ansteuern.
Nachwort
Nun sind wir am Ende unseres
Ausflugs angelangt. Ich hoffe, dass sie liebe Leser, genau wie ich auch, Freude
am Besuch der einzelnen Stationen hatten. Vielleicht aber auch etwas zum
Nachdenken, wie im Falle des Konzentrationslagers Husum-Schwesing, dessen
Geschichte ein 17jähriger Jugendlicher zu Papier gebracht und den dritten Preis
des Schülerwettbewerbs Deutsche Geschichte 1992/93 gewann.
Quelle: Funkfreund DQB656 (Hans
- Werner) aus Lüdenscheid